Godzilla und die Urweltraupen

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(für mehr monströse Infos klicke aufs Cover)

Release: 1964

Bei einem verheerenden Unwetter wird ein riesiges Ei an der japanischen Küste angespült. Wohl wissend, dass sich damit ein kleines Vermögen machen lässt, kauft ein raffgieriger Geschäftsmann das sog. Urwelt-Ei von den einheimischen Fischern ab, um gemeinsam mit seinem noch raffgierigerem Partner ordentlich Asche zu machen. Gleichzeitig macht sich auch ein Wissenschaftler zusammen mit einem Reporter und seiner Fotografin an die Erforschung des Ei's. Es stellt sich schnell heraus, dass es von der abgelegenen Insel "Infant Island" stammt, die einst für Atomwaffentests herhalten musste und nun von Mothra beschützt wird. Zu eben dieser Riesenmotte gehört auch das Ei und wird vehement von den Mini-Mädchen-Zwillingen zurückgefordert - ihres Zeichen Sprachrohre, Manager und Freunde von Mothra. Natürlich weigern sich die Raffgeier, das Ei herauszugeben. Noch bevor weitere Verhandlungen stattfinden können, taucht am selben Strandabschnitt Godzilla auf. In gewohnter Manier randaliert her herum, ohne dass das Militär ihm ernsthaft etwas entgegen zu setzen hätte. Als letzte Möglichkeit bleibt nur noch Mothra. Dank herzerwärmender Worte lässt die Motte sich zum Kampf gegen Godzilla überreden. Mit letzter Kraft treibt sie Godzilla ins Meer und stirbt neben ihrem Ei, aus dem prompt zwei Larven schlüpfen. Die machen sich sofort auf den Weg, um der schuppigen Riesenechse den Rest zu geben. Gemeinsam stellen Sie Godzilla auf einer nahen Insel, weben ihn in eine Art Kokon ein und lassen ihn ins Meer plumpsen. Happy End!
Zum dritten mal konnte hier Ishiro Honda für den Regieposten eines Godzilla-Streifens gewonnen werden.  Zuvor hatte er für Toho unter anderem die Kaiju-Klopper "Die fliegenden Monster von Osaka" (1956), "Varan - Monster der Urzeit" (1958) und "Mothra bedroth die Welt" (1961) herunter gekurbelt (abseits der Godzilla-Reihe). Damit war Honda für die Toho-Studios längst zum Stammregisseur für Monsterfilme aufgestiegen. Mit an Bord auch wieder der Miniatur- und Effekte-Verantwortliche Eiji Tsuburaya . Die Musik kam ebenfalls wie gehabt von Akira Ifukube. Aus dieser Richtung also alles Standardmäßig. Die Miniumgebung ist schön detailreich, vor allem die Sturmflut zu Beginn kann sich sehen lassen. Abstriche gibt's allerdings für die Monsterkämpfe. Hier wurde teilweise (wie schon bei "Godzilla kehrt zurück") die Geschwindigkeit erhöht, was arg unnatürlich wirkt. Dazu kommen teilweise sehr heftige, fast schon stroboskopartige Schnitte, was beim Zuschauer höchstens Augenzucken verursacht, als aufbrausende Spannung.
Godzilla selbst tritt hier noch als typisch instinktgetriebene Monster auf - als Plage Japans, so wie er einst von Honda konzipiert war. Jedoch hat er mit einigen Startschwierigkeit zu kämpfen. Zwar sorgt er für Zerstörung aller Art, allerdings eher ungewollt. Den Fernsehturm holzt er um, weil sein Schwanz im Gestänge hängen bleibt. Einen Tempel reißt er ein, weil er etwas ungeschickt einen Graben hinunter rutscht und das Gleichgewicht verliert. Er wirkt fast schlaftrunken, wie er da so durch die Pampas taumelt. Erst als er von der Armee attackiert wird, treibt ihn das zur Weißglut und er macht Rabatz.
Über Mothra als Gegner kann man sich freilich streiten. Für die einen gehört Sie zu den Lieblingen des Kaiju-Universums, für die Anderen ist sie nur eine zottelige Riesenmotte. Ich persönlich gehöre eher zur letzteren Fan-Kategorie, denn mit ein bisschen Flügelgeflatter und Mottenstaub kann das Vieh meiner Meinung nach einem Godzilla nicht wirklich gefährlich werden. Nicht zu letzt wegen der Tricktechnik (ist ja nur ne große Puppe), sehen Mothras frühe Auftritte immer etwas unbeholfen aus. Zumindest war Mothra aber so populär , dass Sie diverse eigene Filme spendiert bekam.
Gleiches gilt übrigens für die "Urweltraupen", die aus dem Ei schlüpfen (uns sich anhören wie Mini-Dampflocks). Knuffig-ekelig, aber ernstzunehmende Gegner? Ach komm, hör auf... die seifen Godzi letztlich nur mit Sprühseide ein und weil der Arme deswegen stolpert und ins Meer fällt, wird das gleich als Sieg verbucht.
Aber das ist nicht das einzige, was den Streifen nur leidlich unterhaltsam macht. "Godzilla und die Urweltraupen" gehört zu den zahlreichen Godzi-Schinken, mit Sing-Sang-Einlage. Hier wird das Mothra-Lied von den Mini-Zwillingen zum Besten gegeben und der sorgt entweder für Ohrenschmerzen oder für fürchterliche Ohrwürmer. Dazu dürfen braun angemalte Japaner als Eingeborene um Pappmaschee-Statuen tanzen und dazwischen stolpern die Darsteller durch eine etwas zu ausgewalzte Handlung, die nicht so recht begeistern will. Im Zusammenhang mit der Handlung ist vielleicht erwähnenswert, dass Honda extra für den westlichen Markt zusätzliche Szenen drehte, in denen das amerikanische Militär einen Angriff auf Godzilla startet. Da die Jungs einen ziemlich jämmerlichen Eindruck machen, stießen diese zusätzlichen Szenen in den USA auf wenig Gegenliebe. Zumindest beugte Honda so dem Phänomen vor, dass die Ami ständig seine Filme umschnitten oder selbstgedrehte Szenen hinzufügten.
Fazit:
Der vierte Godzilla-Streifen, zum dritten mal unter der Regie von Ishiro Honda, ist trotz einiger Schwächen und Langatmigkeiten in der Handlung und den merkwürdig unnatürlich beschleunigten Monsterkämpfen immer noch ein solider Spaß. Deutlich wird bereits die Entscheidung der Toho-Studios, von nun an um die Gunst eines jüngeren Publikums zu buhlen - schön erkennbar in den Mini-Zwillingen, Mothra selbst oder dem Umstand, dass zwei neugeborene Larven den großen, erwachsenen Godzilla besiegen. Hondas versteckten Anspielungen auf Atombombentests, Hiroshima etc. sind höchstens noch Randerscheinungen. Stattdessen bekennt er sich gerne zur Selbstironie und baute zahlreiche humoristische Szenen ein.
Godzilla selbst ist hier übrigens das letzte Mal (jedenfalls bis 1975) in der Rolle des Bösewichtes zu sehen. Seine spitze Schnauze ist bereits runderen Zügen gewichen und die Augenschlitze wurden durch Kulleraugen ersetzt, was ihn wesentlich freundlicher erscheinen lässt. Im nächsten Film wird der Rollenwechsel zum Retter der Menschheit endgültig vollzogen sein. Wohin die Reise gehen wird, ist sowieso schon seit dem Vorgängerfilm "Die Rückkehr des King Kong" klar wie schuppige Kloßbrühe: Hin zum puren Unterhaltungskino.

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